Montag, 21. Oktober 2013

Komm, entdeck´ mit uns Bamenda!

Geschafft, endlich Wochenende!
Und das ist ein ganz besonderes Wochenende: Es kommen uns 8 Freiwillige aus anderen Städten Kameruns besuchen.
Sie alle nehmen eine ganztägige Reise auf sich, um zu uns ins abgelegene Bamenda zu kommen. Über das Reisen in den wenig vertrauenerweckenden Kleinbussen auf den Schlaglöcherstrecken habe ich ja schon in einem früheren Beitrag berichtet.

Müde und erschöpft sind dann abends (fast) alle da. Zwei Leute aus Buea sind zu spät losgekommen und werden mit dem Nachtbus (sehr gefährlich, uns wurde davon dringlich abgeraten) um 5 Uhr morgens ankommen.
Wir anderen genießen das erste gemeinsame Abendessen, aber leider auf dem Fußboden, weil es in unserem Haus zwar viel Platz, dafür aber wenig Stühle gibt.


Am nächsten Tag, nun vollzählig, machen wir uns auf den Weg Bamenda zu erkunden. Wir zeigen den Anderen einen unserer Lieblingsplätze: Eine halbe Stunde bergauf auf einen der Hügel, die die Stadt einkesseln, noch schnell auf einen Felsen geklettert und dann sieht man das :


Als nächstes wollen wir unseren Besuchern einen der Wasserfälle zeigen, die man sogar von unserem Haus aus sehen kann. Nahe ran zu kommen ist allerdings schwieriger, als wir uns das vorgestellt hatten und so klettern, tapern und springen wir steile, felsige Pfade hinunter um dem Rauschen des Wassers näher zu kommen.


Doch es ist schnell klar:
Die Mühe hat sich gelohnt!


Wir wandern weiter durch die hügelige Landschaft ohne genaues Ziel,
einfach um zu gucken, was da kommt.
Und wir entdecken viele kleine aber feine Dinge.


Da kommt die Ananas aus dem Supermarkt also her.
Man denkt so selten drüber nach, wie und wo die Früchte wachsen, die wir kaufen.


Plötzlich hören wir lautes Gröhlen. Ein Hirte treibt eine Heerde Kühe direkt an uns vorbei. Aus Vorsicht stellen wir uns auf eine kleine Anhöhe, denn wirklich kontrollieren lässt sich die Heerde nicht.



Samstag, 19. Oktober 2013

Das Ergebnis deines HIV-Tests ist...

Wieder einmal machen wir uns auf den Weg raus aus Bamenda und ab nach Ndop.
Diese schöne kleine Stadt besuchen wir beruflich im Auftrag des Youth Network for Heath (kurz YoNeFo). Wir bekommen in dieser Woche die Möglichkeit das Wissen anzuwenden, das wir uns auf dem Seminar in Banso (lezter Blogeintrag ;) ) aneignen konnten. Unsere Arbeit wird sich also um HIV-Prävention drehen, eine der Hauptthemenpunkte des YoNeFo.
Unsere konkrete Aufgabe ist es, jungen Schülern an 3 verschiedenen Schulen das Ergebnis ihres HIV-Tests mitzuteilen, sie über HIV/Aids zu informieren und wie man eine Ansteckung vermeidet.

Aber seht selbst, ich beschreibe euch mal unseren Tagesablauf!



Von Ndop aus fahren wir raus in die Umgebung zu Schulen wie GBS Babessi oder GHS Babungo. Es ist wundervoll, wenn der Morgen noch so an den Hügeln hängt, der Nebel sich dann langsam verzieht und die Sonne das satte Grün dieser weiten Landschaft noch mehr strahlen lässt.


Durch diese Landschaft wandern viele Schüler stundenlang um von ihrem Zuhause pünktlich um 7.30Uhr in der Schule zu sein. Wer zu spät kommt, wird geschlagen...




In der Schule angekommen versammeln sich alle zum Morgenappell.
300 braune Köpfe schauen uns erwartungsvoll entgegen und die "Whiteman"-Rufe bleiben wie immer nicht aus.


Jetzt beginnt Rene, der Leiter des Projekts, uns alle und unser Vorhaben vorzustellen. Er erklärt, dass wir gekommen sind, um kostenlose und freiwillige HIV-Tests mit den Schülern durchzuführen, da jeder, der in Kamerun (so wie überall auf der Welt) seinen HIV-Status nicht kenne, eine gefährliche Person sei. Er ruft den Schülern die 3 Wege ins Gedächtnis, wie der Human Immunodificiency Virus übertragen wird:
-Geschlechtsverkehr mit einer infizierten Person
-Blut-zu-Blut-Kontakt und
-Mutter-zu-Kind-Übertragung.



Das der Virus über Sex übertragen wird, ist den Schülen an allen 3 Schulen bekannt, bei den anderen 2 Wegen hapert es ein wenig... Doch Rene wiederholt geduldig alle wichtigen Fakten.
Wir warten derweil gespannt, dass die Arbeit für uns losgeht.


Und dann geht es rein in die erste Klasse.
Jeder Schüler soll einige persönliche Angaben in einem Fragebogen ausfüllen. Während wir diese verteilen wird klar: in dieser Klasse sitzen 73 Schüler!
Nicht alle Klassen sind so vollgestopft wie diese, doch unter 50 liegt die Schülerzahl nie.



Wenn alle ihre Zellel ausgefüllt haben, bekommt jeder Schüler eine eigene Erkennungsnummer zugeteilt und wird registriert.



Als nächstes gehen die Schüler ins Labor. Das Labor besteht aus ein paar sterilisierten Tischen und 4 Stühlen. Ich bewundere die zwei Laboranten sehr dafür, wie sie an einem Tag 300 Hiv-Tests durchführen ohne eine Pause. Ein Schüler kommt rein, setzt sich, sein Finger wird desinfiziert, dann gibt es einen Piks in den Finger und etwas Blut wird auf den Teststreifen geträufelt. Fertig, Nächster. Jetzt dauert es noch eine halbe Stunde, bis das Ergebnis sichtbar wird.




Wenn die Ergebnisse da sind, bekommt jeder von uns 25 Kärtchen in die Hand gedrückt. "So, das sind eure. Viel Erfolg beim Mitteilen." Gespannt guckt jeder von uns seine Karten durch. "Hoffentlich ist kein Positiver dabei...", denken wir alle. Wie sagt man einem jungen Menschen mal eben in seiner Schule, dass er HIV-Positiv und damit infiziert ist? Wie kann man ihm die Konsequenzen klarmachen, dass er von jetzt an höllisch aufpassen muss, um seine Mitmenschen nicht anzustecken? Wie beruhigt man ihn und bringt ihn dazu, regelmäßig seine Medikamente zu nehmen? Mit gesundem Lebensstil und den richtigen, regelmäßig eingenommenen Medikamenten kann der HI-Virus im Körper für Jahre so klein gehalten werden, dass man ein ganz normales Leben führen kann. Doch ist dies nicht gegeben, breitet er sich aus bis er irgendwann die Krankheit auslöst, die wir Aids nennen. Aids zerstört dann nach und nach das Immunsystem der Person, bis sie schließlich an einer eigentlich ungefährlichen Krankheit wie einer Grippe sterben kann.

Zum Glück sind alle meine Ergebnisse Negativ. Ich bin erleichtert und lege mir Worte zurecht, wie ich den Schülern ihr Ergebnis mitteilen will und noch einmal die Informationen über HIV wiederhole.

Nach 3 Stunden Einzelgesprächen und sehr oft dem hoffnungsvollen Ratschlag, gesund zu leben und keinen Sex vor der Ehe zu haben (ungewollte Schwangerschaft ist ebenfalls ein großes Problem in Kamerun und Abstinenz ist das einzige 100% sichere Verhütungsmittel), ordnen wir müde noch unseren Papierkram und machen uns dann auf den Heimweg.
Ein anstrengender aber sehr eindrucksvoller Tag!





Zum Abschluss noch ein paar Impressionen :)



  
 Die Dame in der Mitte ist Christy, unsere Mentorin



Fahnenappell GHS Babungo



















Frisch und fröhlich hinein in einen
neuen Tag!
"Wer einen HIV-Test machen möchte hebt jetzt den Arm!"


 





      Nora & Ich









                                


Die besten Grüße aus Kamerun!
Eure Annelie

Montag, 23. September 2013

Wie Deutschland im April

In dieser Woche geht es mal wieder raus aus Bamenda.
Unser Ziel ist Kumbo, wo wir an einem einwöchigen Seminar teilnehmen werden.

Reisen in Kamerun ist immer so ne Sache. Das meistgenutzte Verkehrsmittel für Überlandfahrten ist der Bus. Wenige fahren mit ihrem eigenen Auto, es gibt nur eine einzige Zugstrecke im Land. So gehen wir morgens zum Busbahnhof und werden sofort von unzähligen Männern umringt: "Duala? Duala??", ruft einer. "Kumbo?", ein anderer. "Bafussam! Bafussam!"
"Kumbo", antworten wir und der entsprechende Mann führt uns zu einem klapperigen alten Kleinbus.





 Von diesem Moment an dauert es meistens noch ein oder zwei Stunden bis die Fahrt losgeht, man wartet bis der Bus voll ist oder ein Passagier hat irgendein Problem und streitet sich mit dem Fahrer.
Aber schließlich fahren wir los vier Stunden über die holprige Lehmpiste nach Kumbo. Dabei werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Nichts für Seekranke!



Schließlich erreichen wir Kumbo. Was für eine schöne Stadt!
Wenn man von einem der umliegenden Hügel auf sie blickt, erinnert mich das Bild sehr an Norditalien.
Klimatisch ähnelt dieser Ort sehr Deutschland im April. Morgens ist es noch frisch, doch wenn dann die Sonne rauskommt, ist es angenehm. Die meiste Zeit regnet es jedoch.


Ganz so idyllisch ist es dann doch nicht überall, hier seht ihr eine typische Straße. Wenn die Mototaxis, mit denen man hier schnell von A nach B kommt, auf diesen holprigen Lehmpisten Hügel runterbrettern, fürchte ich immer, dass sie jeden Moment hinfallen. Die Motos schlingern, fahren harscharf Autos oder Fußgängern vorbei und weichen dabei den zahllosen Schlaglöchern aus. Die Fahrer leisten ganz schön was, fahren aber oft sehr riskant.


Nebenbei: Zahrlose Kleintransporter verraten uns hier in Kamerun durch alte Aufdrucke viel über ihre Herkunft.
Heizung und Sanitär aus Eberswalde? Das bleibt jetzt mal so stehen, es mag jeder selber seine Vermutung über Alter und Verkehrssicherheit der Fahrzeuge machen...


Während wir so durch die Straßen laufen, rennen uns plötzlich einige Menschen entgegen. Es werden immer mehr, die Leute laufen vor etwas weg und verstecken sich in Gebäuden oder hinter Büschen. Was ist da nur los? Wir gehen vorsichtshalber auch in eine Bar, um von dort aus die Straße zu beobachten. Und dann sehen wir sie: Eine Gruppe von jungen Männern, nur mit Lendenschurz bekleidet, tanzt wild durch die Straße und erschreckt alle Passanten, die sich in ihrer Reichweite aufhalten. Wir haben etwas Angst, was passieren würde, wenn sie uns sähen... Doch sie ziehen vorrüber. Als wir grade wieder auf die Straße wollen, kommen noch 2 Gestalten des Weges. Die Männer sind komplett in Lumpen gekleidet, sogar über´s Gesicht. Sie sehen ein wenig aus wie wandelnde Mumien. Die "Gygy" recken ihre Holzstöcke in die Luft und es wird klar: Die Jungs von eben laufen vor diesen Geistergestalten weg. "Dieses Schauspiel veranstalten die hier fast jeden Tag.", erklärt uns ein Mann in der Bar,"Hier in Kumbo gibt es noch viele Traditionen. Doch die Männer machen hauptsächlich mit, weil sie hinterher ein warmes Essen bekommen."


Zwischendurch findet man dann noch kleine Überraschungen auf dem Weg :)


Beim Seminar lernen wir viel über HIV und Aids, über viele andere sexuell übertragbare Krankheiten und darüber, wie man mit jungen Kamerunern über diese Themen spricht. Der Anlass des Seminars ist nämlich unsere Vorbereitung auf die nächste Woche. Wir werden mit dem Youth Network for Health einige dörfliche Schulen besuchen und dort HIV-Tests durchführen. Unsere Aufgabe als Freiwillige dabei ist, den Schülern ihr Ergebnis mitzuteilen und ihnen Ratschläge für ein gesundes uns sicheres Leben in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten zu geben.
Aber dafür müssen wir uns natürlich erstmal Fachwissen aneignen und so drücken wir 4 wieder die Schulbank.



Nach einem langen Seminartag erhalten wir eine Führung durch ein weiteres Krankenhaus unserer Organisation Cameroon Baptist Convention. Besonders gut gefällt uns die Neugeborenenstation. "Der einzige Ort, an dem man im Krankenhaus immer lächelt", sagt unsere Mentorin.
Da hat sie wohl recht. Niclas darf einen kleinen Wicht auf den Arm nehmen.


Sonntag, 22. September 2013

Komm mit mir zum Markt!



Für heute steht einkaufen auf dem Programm. Doch das geht nicht so schön einfach wie in Deutschland. Rein in den Supermart, alles in den Korb, bezahlen, fertig. Nein, nein, nein, in Kamerun muss man es vorher mit übervollen Taxis, feilschenden Marktfrauen und aufdringlichen Straßenverkäufern aufnehmen.

Doch sieh selbst. Ich nehme dich mit!


Wir stellen uns an die Straße und halten ein Taxi an. Durch Fenster rufen wir dem Fahrer zu: "Comercial Avenue, we go 1-200" (Soll heißen, wir wollen pro Person 200 zentralafrikanische Franc bezahlen) Der Fahrer ist einverstanden, was er uns dadurch zu verstehen gibt, dass er nicht reagiert, aber auch nicht losfährt. Wir steigen ein und ab geht die Fahrt durch die Straßen von Bamenda-City!





 Erste Erledigung: Geld abheben. Wieviel brauche ich denn? 50.000 cfra sollten für die nächsten Wochen reichen. Also 75€.






Und da sind wir: Der Bamenda City Main Market!



Hinter diesem Tor verbirgt sich ein Labyrinth aus Gassen voller Stände und Lädchen, da kann man sich schnell mal verlaufen. Wir brauchen diverse Gemüse, eine neue Pfanne und Salz.

Unser Großer geht vorraus.

Egal, was man braucht, wenn man nur lange genug sucht, wird man es finden. Vom Autoreifen über Maracuja und Stoffen in allen Farben bis zur Kaffekanne gibt es hier alles.
Wer braucht schon einen Supermarkt, wenn man sein Küchenpapier auch auf der Straße kaufen kann?







Von dem Getummel ermüdet, hatte dieses Kind wohl keine Lust mehr.
„I be sche dong for here.“ – „Ich setzt mich jetzt hier hin.“






Leider haben nicht alle Kinder so viel Freiheit in ihren Entscheidungen. Viele Kinder, wie dieses Mädchen, laufen den ganzen Tag über den Markt und verkaufen irgendwas. Einige unterstützen ihre Eltern, andere verdienen sich so ihre eigenen Schulgebühren.
Was das Mädchen verkauft ist ein echter Leckerbissen. Man nennt das hier Fishpie. Der Teig wird in viiieel Fett frittiert und mit einer Fischpaste gefüllt. Das ganze Vergnügen gibt´s schon für 100cfra=15cent.










Auch sehr lecker: Geröstete Plantains.
Plantains sind so etwas ähnliches wie Bananen, nur etwas fester. Man kann sie frittieren, kochen, roh essen oder eben überm Feuer rösten.
Elegant serviert in altem Zeitungspapier ist auch hier der Preis 15cent.





Doch während wir so über den Markt laufen, entdecken wir immer wieder Dinge, die uns komplett unbekannt sind. Was dieser Junge zum Beispiel verkauft…Ich habe keine Ahnung. :D



Typisch ist, wie er die Ware auf dem Kopf balanciert. Die Kameruner tragen fast alles auf dem Kopf. Essen, Holz, sogar meterlange Eisenstangen. Wir haben es schon einmal versucht, aber kläglich versagt. Balancieren in dieser Perfektion braucht eben lebenslange Übung. Jedes Mal, wenn wir uns schwere Wasserkanister auf den Kopf stellen und so transportieren wollen, drehen sich alle Menschen nach uns um und lachen: „Whiteman is trying to carry something on his haed!“


Genau so typisch für Kamerun wie seine Sachen auf dem Kopf zu tragen ist es sich die Kinder auf den Rücken zu schnallen. Die kleinen Fratze hängen dann da und können grade noch ihren Kopf drehen, rausfallen unmöglich. Manchmal sieht man kleine Mädchen, vielleicht 8 Jahre alt, die ihre kleinen Geschwister auf dem Rücken tragen. Das möchte ich auch noch lernen! Es ist gar nicht schwer: Man beugt sich vor, legt sich das Kind auf den Rücken, bindet ein Tuch/Handtuch drum und knotet es gut fest.







Ich denke wir haben alles. Lass uns zurück nach Hause fahren!

Freitag, 13. September 2013

Der erste Arbeitstag

Nach 2 Wochen in diesem fernen Land waren wir heute das erste Mal bei der Arbeit. Für den Anfang sollen Nora und ich im Labor helfen:“Da sind die Tätigkeiten schnell zu lernen und es gibt immer etwas zu tun“, hatte Christy, unsere Mentorin, gesagt. Das sei zum eingewöhnen gut. Wir beide stolpern also am Montagmorgen mit unseren neuen weißen Kitteln ins General Laboratory rein. Dort erwarten uns 5 freundliche Gesichter in einem kleinen Raum voller Geräte und Maschinchen.


Wir werden zum Registrieren eingeteilt. Das bedeutet: viele hundert Patientennamen in ein fettes Buch eintragen. Das ist schwieriger als es sich anhört, denn man muss die handgeschriebenen Namen auf den Patientenheftchen erstmal entziffern!
Diese lauten dann wie folgt:

Gibbo Khan Gilbert

Ngum Feluyuy Joseph

Fon Azum Mbasah 

Fru Pascaline Nchem

Rasidatou Issa

Und als wäre es nicht schon schwer genug, diese Hyroglyphen zu dechiffrieren, sollen wir daraus dann auch noch das Geschlecht ableiten. Versucht das gerne mal! Es gibt zwar auf jedem Patientenheft ein Feld, in das man sein Geschlecht eintragen soll, doch die meisten denken wohl:“Das ist doch klar.“ Damit geht für uns das Rätselraten los.

Nora angestrengt am Entziffern







Das sind unsere unzähligen Register.
In anderen Krankenhäusern werden wohl Computer dafür benutzt, sagt man uns, aber hier noch nicht.








Zum Glück sind unsere Mitarbeiter geduldig bereit uns alle Fragen zu beantworten. Es herrscht eine lockere Atmosphäre und es wird viel gelacht. Leider verstehen wir die Witze meistens nicht, denn man unterhält sich hier auf Pidgin. Von dieser Mischsprache aus Englisch und den vielen kamerunischen Sprachen beherrschen wir bis jetzt nur ein paar Sätze.



Kleine Kostprobe:

Typischer Laborsatz:
„You go piss in container, come back and give piss for window.”


“Füllen sie dieses Gefäß mit Urin. Wenn sie zurück kommen, stellen sie das Gefäß durch dieses Fenster hier.”




„Hello Massa, how you day? You don chop today?“


“Hallo mein Freund, wie geht´s? Hast du heute schon gegessen?“


Es geht aber nicht immer nur lustig zu bei uns. Heute Vormittag brach in einem Nebenraum ein riesen Geschrei aus. Erst dachten wir, es würde wieder einem hysterischen Kind Blut abgenommen werden, aber die Schreie hörten nicht auf. Nach einer Weile wurde es dann wieder ruhig. Beim Mittagessen erfuhren wir über unsere Bohnen und den Reis hinweg, dass vorhin ein junges Mädchen, 9 Jahre, an Malaria gestorben sei. Da waren wir erst mal geschockt. Diese Krankheit ist allgegenwärtig hier, genau wie HIV/Aids. Es wird schon einiges an Aufklärungsarbeit geleistet und die Menschen werden angehalten, sich schnell behandeln zu lassen. Doch das gestaltet sich in diesem infrastukturell schlecht erschlossenen Land schwer für viele Menschen.


Alles in allem ist die Arbeit super für die Anfangszeit und gibt meinem Tag Struktur. Mal sehen, wo ich den Rest des Jahres mitarbeiten möchte. Vielleicht bei der Zeitung des Gesundheitszentrums?

Wettermäßig sind sich Bamenda und Norddeutschland im Moment übrigens sehr ähnlich: Regen und 15 Grad. Aber bei euch steht der Winter vor der Tür und bei mir die heiße Trockenzeit.

Viele liebe Grüße ins gute alte Deuschland aus dem fernen Afrika!

Dem schlafenden Engel wird gleich Blut abgenommen werden